Theosophische Gesellschaft
Die Theosophische Gesellschaft brachte es auf beträchtlichen weltweiten Einfluss auf religiöse und esoterische Bewegungen. Sie wurde 1875 von Helena Blavatsky in New York gegründet.
Die Theosophie kann als Gegenentwicklung zur materialistisch-technischen Weltanschauung des 19. Jh. Gesehen werden und als Versuch, dieser ein ganzheitliches, spirituelles Bild der Welt entgegen zu setzen.
Von ihrem Selbstanspruch her ist sie Teil einer universalen, geistigen, intellektuellen und ethischen Bewegung, die zu allen Zeitaltern tätig war. Grundlage dieser Bewegung ist eine so genannte „Universale Bruderschaft“. Diese beruht darauf, dass in dem anfang- und endlosen Universum alles Existierende, jede Wesenheit, in seiner fundamentalen Essenz mit dem kosmischen Bewusstsein verwandt und von ihm in allen seinen Teilen belebt und beseelt werde. Damit seien alle Lebewesen als eine unauflösbare Universale Bruderschaft miteinander verbunden.
Zahlreiche Intellektuelle, Wissenschafter und Künstler des frühen 20. Jh. standen mit der Theosophischen Gesellschaft in Verbindung. Dadurch wurde die Theosophische Gesellschaft zur Grundlage zahlreicher weiterer, ähnlicher Denk- und Lehrschulen wie zB. auch der Anthroposophie von Rudolf Steiner.
Von Helena Blavatsky werden als Hauptziele der Theosophischen Gesellschaft genannt:
- die Bildung “des Kerns der Universalen Bruderschaft” der Menschheit “ohne Unterscheidung von Rasse, Farbe und Bekenntnis”,
- das vergleichende Studium der Weltreligionen, Philosophie und Wissenschaften zu fördern und die Bedeutung der alten asiatischen Literatur, besonders der brahmanischen, buddhistischen und zoroastrischen Philosophie herauszustellen, sowie
- die Erforschung der verborgenen Geheimnisse der Natur in jeder Hinsicht, besonders der latenten psychischen und spirituellen Kräfte im Menschen.
Geschichte
Zentrale „Lichtgestalt“ und ihre Gründerin war Helena Petrowna Blavatsky (1831-1891). Eine gebürtige Russin, verheiratet mit einem russischen Fürsten, den sie bald verließ. Sie kämpfte an der Seite von Garibaldi, wurde als Medium bekannt und unternahm zahlreiche Weltreisen. Ihren eigenen Angaben zufolge empfing sie ihre Erkenntnisse von höheren Wesen in Tibet, die sie „Mahatmas“ nannte.

1875 erfolgte die Gründung der Theosophischen Gesellschaft in New York. Gemeinsam mit Henry Steel Olcott, William Quan Judge, Charles Sotheran und anderen. 1882 wurde der Hauptsitz von New York nach Adyar, einem Vorort von Madras in Indien verlegt. In Folge erreichte die Theosophischen Gesellschaft eine nicht unbedeutende Rolle in der indischen Gesellschaft. 1891, nach dem Tod Blavatskys kam es innerhalb der Theosophischen Gesellschaft zum Streit über die Lehre und über die Nachfolgeschaft von Frau Blavatsky. Zunächst übernahm Annie Besant die Leitung. Mit ihr kam ein neuer Aspekt der Frauenrechte in die Theospohie. In Indien wurde sie als Pädagogin hochgeschätzt. Annie Besant gründete 1911 den „Orden des Stern im Osten“ und entwickelte eine alternative Lehre. 1895 spaltete sich die Gesellschaft in zwei große Richtungen. Henry Steel Olcott führte die Theosophischen Gesellschaft Adyar (Adyar-TG) und die Theosophischen Gesellschaft in Amerika (TGinA) entwickelte Wiliam Quan Judge.
Die TGinA zog von New York nach Point Loma, Kalifornien, wurde daraufhin “TG-Point Loma” genannt, später nach Covina, daher “TG-Covina” und schließlich nach Pasadena, wo sie sich heute (2009) noch befindet und unter „TG-Pasadena“ bekannt ist. In Point Loma entstand Anfang des 20. Jahrhunderts unter der Leitung von Katherine Tingley, der Nachfolgerin von W. Q. Judge, und später auch Prof. Dr. Gottfried de Purucker, die Theosophische Gesellschaft Point Loma Lomaland mit einer theosophischen Universität, an der unter anderem Sanskrit gelehrt wurde.
Sowohl von der TGinA, als auch der Adyar-TG trennten sich in den folgenden Jahren und Jahrzehnten zahlreiche Logen ab und gründeten eigene, zum Teil konkurrierende Organisationen. Dies führte zu einer Zahl von unterschiedlichen Strömungen der Theosophischen Gesellschaften, die jedoch alle von sich behaupten, die “wahre” und “echte” Theosophie zu vertreten.
Aus der zur Adyar-TG gehörenden Deutschen Sektion der Theosophischen Gesellschaft ging 1912/13 die Anthroposophische Gesellschaft unter Rudolf Steiner hervor. Die Gründe für diese Abspaltung waren vor allem die Hinwendung der Adyar-TG zum Hinduismus unter der neuen Präsidentin Annie Besant seit 1907 und besonders die Verehrung Jiddu Krishnamurtis als wiedergeborener Christus und kommenden Weltlehrer im Order of the Star in the East, die mit seiner Entdeckung durch Charles W. Leadbeater im Jahre 1909 einsetzte.
Im deutschsprachigen Kontext bedeutend ist die Ariosophie des Guido von List, der beispielsweise der Adyar-Theosophischen Gesellschaft in Wien anhing, als eine unter vielen ideologischen Quellen des Nationalsozialismus. Guido von Lists Lehren sind aber in vielen wesentlichen Grundsätzen deutlich verschieden von den theosophischen Lehren und können als Missbrauch der Theosophie angesehen werden.
Im Jahr 1937 wurden in Deutschland die Theosophischen Gesellschaften aller Richtungen und die entsprechende Literatur von den Nationalsozialisten verboten.
Grundlagen und Inhalte
Die beiden Siegel der Theosophischen Gesellschaft wurden aus dem persönlichen Siegel von Helena Blavatsky entwickelt. Sie symbolisieren den gemeinsamen Ursprung aller heute getrennten Religionen, weisen auf die Ur-Religion hin. Durch Wiedererkennen des gemeinsamen esoterischen Kerns aller exoterischen Religionen, sowie der Zwillingslehre von Karma (Gesetz der moralischen Folgen) und Reinkarnation (Gesetz der Wiedergeburt) werden Rassen-, Klassen- und Standesunterschiede relativiert und überwunden.
Blavatskys Grundlage ihrer Lehre sind die tibetischen Meister und das von ihr verfasste – und nur ihr bekannte – „Buch des Dzyan“. Beeinflusst wurde sie von ägyptischen, sumerisch-babylonischen, altindischen und buddhistischen Religionen. Die allgemeinen Grundlagen der Lehre wurden von Blavatsky in ihren Hauptwerken „Isis entschleiert“ 1877 und „Die Geheimlehre“ 1888 formuliert.
In der „Geheimlehre“ ist die Geschichte der Menschheit und des menschlichen Bewusstseins beschrieben. Sie stellt darin den Anspruch „die esoterischen Werke der ganzen Welt seit dem Anfang unserer Menschheit“ zu umfassen. Sie betont die Einheit allen Seins. Alles Sein ist ident mit dem Absoluten. Der Mensch als Mikrokosmos entspricht dem himmlischen Makrokosmos, das Kleine wie das Große, das Innere wie das Äußere. Der Glaube an einen persönlichen Gott wird abgelehnt. Die Ewigkeit des Weltalls ist ein Spielplatz von zahllosen unaufhörlich kommen und gehenden Universen. Das Weltall ist letztlich „die periodische Offenbarung“ des Göttlichen. Daher ist das Weltall bis zum kleinsten Atom von Bewusstsein erfüllt. Daher steht jede Seele auch mit dem Absoluten in Einheit.
Der Ganzheitliche Ansatz, wie er heute modern ist und zum Standard der Esoterischen Denkschulen gehört, spiegelt sich auch in den drei Hauptaufgaben der Anhänger der Theosophie wieder:
die Bildung “einer Universalen Bruderschaft” der Menschheit “ohne Unterscheidung von Rasse, Farbe und Bekenntnis”,
das vergleichende Studium der Religionen, Philosophie und Wissenschaften,
die Erforschung der verborgenen Geheimnisse der Natur und der psychischen und spirituellen Kräfte im Menschen.
Dazu kommt eine besondere Bedeutung der Frauenrechte. Die Theosophische Gesellschaft gehörte zu den ersten Strömungen des Beginnenden 20. Jh. das Körper, Sexualität und Frauen aus Sicht der Frauen einbrachte und zulässt.
Quellen:
Blavatsky, Helena Petrowna “Schlüssel zur Theosophie”
Peters, Ulrike “Schnellkurs Esoterik”; DuMont
Theosophische Gesellschaft Österreich
Theosoophische Gesellschaft Pasadena (Deutsch)